Naturschutzgebiet Lauerzersee
Wo die Natur das letzte Wort hat
Zwischen Goldau und dem Lauerzersee liegt eines der aussergewöhnlichsten Naturschutzgebiete des Kantons Schwyz. Die Moorlandschaft Lauerzersee-Sägel-Schutt ist seit 1977 im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung verzeichnet, ein Status, der erklärt, warum das Gebiet heute so aussieht: ursprünglich, artenreich, kaum von menschlicher Hand geformt.
Ein Unglück als Ursprung
Die Geschichte des Gebiets beginnt mit einer Katastrophe. Am 2. September 1806 löste sich eine Flanke des Rossbergs oberhalb von Goldau. Innerhalb weniger Minuten war das Dorf unter Millionen Tonnen von Fels und Schutt begraben, über vierhundert Menschen verloren ihr Leben. Riesige Gesteinsmassen donnerten bis in den Lauerzersee und lösten eine Flutwelle aus.
Heute, mehr als zwei Jahrhunderte später, ist vom Schrecken jenes Tages nichts mehr zu spüren. Die hausgrossen Felsblöcke sind von Wald überwachsen, Grund- und Sickerwässer sammeln sich in Senken zu Weihern und Tümpeln. Was einst Trümmerfeld war, ist heute einer der artenreichsten Lebensräume des Kantons.
Was das Gebiet einzigartig macht
Die grossflächige Mischung aus Mooren, Verlandungszonen, See und Bergsturzspuren ist schweizweit einmalig. Zahlreiche naturnahe Bäche und Weiher, ein hoher Grundwasserspiegel und sporadische Überschwemmungen des Seeufers schaffen Lebensbedingungen für eine ausserordentliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren.
Die Riedwiesen blühen im Frühsommer in seltener Dichte, Orchideen wachsen hier in grösseren Beständen. Der Lauerzersee selbst ist ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für Vögel, weshalb das Gebiet nur auf den markierten Wegen zugänglich ist.
Unterwegs im Schutzgebiet
Ab Bahnhof Goldau führt der Weg entlang der Geleise zum Bergsturzwald, unter der Autobahn hindurch bis zum Häxewaldpfad, wo das Naturschutzgebiet beginnt. Bald gelangt man zum Seerosenweiher, der über einen Holzsteg erreichbar ist und zu den schönsten Stellen zählt: Von Juni bis August blühen hier See- und Teichrosen in einer Dichte, die den Weiher beinahe vollständig bedeckt.
Zum Verweilen laden auch das Goldseeli und der Seerosenteich ein, die im Wald märchenhaft-verwunschen wirken. Der Rückweg führt entlang des Chlausenbachs durch den Wald zurück zum Bahnhof Goldau.
Praktische Hinweise
Das Schutzgebiet ist am besten im Frühjahr und Herbst zu besuchen, wenn die Wege ruhiger sind. Die See- und Teichrosenblüte von Juni bis August ist ein eigenes Erlebnis. Das Gebiet ist mit dem öffentlichen Verkehr bequem erreichbar, SBB und Südostbahn halten in Arth-Goldau. Hunde sind an der Leine zu führen, angesichts der Bedeutung als Vogelbrut- und Rastgebiet keine Formalität, sondern konkret sinnvoll.
Ein Gebiet, das Geduld belohnt
Das Naturschutzgebiet Lauerzersee-Sägel-Schutt ist kein Ausflugsziel für diejenigen, die Spektakel suchen. Es gibt keine Aussichtsplattform, keine Bergbahn. Was es gibt, ist eine Landschaft, die sich langsam erschliesst und mehr preisgibt, je aufmerksamer man unterwegs ist: ein Eisvogel am Bachufer, eine Orchidee im Gras, ein moosbedeckter Felsblock. Wer sich darauf einlässt, wird nicht enttäuscht.


