Natur & Wandern

Die Glattalp

Ein verstecktes Juwel im Kanton Schwyz

Titelbild zum Beitrag «Die Glattalp»

Wenn von den Wandergebieten im Kanton Schwyz die Rede ist, fallen meist die Namen Stoos oder Mythenregion. Doch der Kanton hat weit mehr zu bieten. Die Glattalp im Muotathal ist ein solches Juwel, ein Ort der Extreme und der stillen Schönheit, der sowohl Naturliebhaber als auch Energietechniker fasziniert.

Sibirien der Schweiz: Winterliche Kälterekorde

Die Glattalp trägt einen wenig schmeichelhaften, aber zutreffenden Beinamen: die «Kältekammer der Schweiz». Im Winter verwandelt sich das Hochtal auf rund 1’850 Metern über Meer regelmässig in einen der kältesten bewohnten Orte des Landes. Temperaturen von minus 30 Grad und darunter sind keine Seltenheit und in besonders kalten Nächten wurde hier bereits minus 52.5 Grad gemessen.

Verantwortlich für diese extremen Temperaturen ist die besondere Topografie: Das Tal bildet eine Mulde, in der sich die kalte Luft sammelt und nicht abfliessen kann, ein Phänomen, das Meteorologen als Kaltluftsee bezeichnen. Während auf den umliegenden Höhen mildere Temperaturen herrschen, friert es in der Talsohle erbarmungslos. Diese klimatische Besonderheit macht die Glattalp zu einem wichtigen Messstandort für die Klimaforschung.

Der Glattalpsee: Energiequelle in den Bergen

Was viele nicht wissen: Die Glattalp leistet seit über 50 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Schwyzer Energieversorgung. Der natürliche See auf der Glattalp wird seit 1970 von der ebs energie AG zur umweltfreundlichen Stromproduktion genutzt. Das Wasser wird unterirdisch gefasst und über eine mehrere Kilometer lange Druckleitung ins Kraftwerk Sahli geführt und liefert Strom für etwa 4'000 Haushalte.

Bemerkenswert ist die technische Infrastruktur: Der Druckstollen ist mit einer Bahn ausgestattet, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist. Diese ermöglicht es den ebs-Mitarbeitenden, die Glattalp auch im Winter zu erreichen, wenn der Schnee dort über Monate hinweg teils mehrere Meter hoch liegt, eine technische Meisterleistung in einem der kältesten Orte der Schweiz.

Der Glattalpsee fügt sich harmonisch in die Landschaft ein und ist ein beliebtes Fotomotiv: Im Sommer spiegeln sich die umliegenden Berge im klaren Wasser, im Winter kann die Eisdecke beeindruckende Formen annehmen. Die Wasserkraftnutzung ist ein gutes Beispiel dafür, wie Energiegewinnung und Naturschutz nebeneinander existieren können.

Wanderparadies für Entdecker

Im Sommer zeigt die Glattalp ihr freundlicheres Gesicht. Das Hochtal ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade. Von gemütlichen Spaziergängen rund um den Glattalpsee bis zu anspruchsvollen Bergtouren auf die umliegenden Gipfel, wie z. B. den Ortstock, ist alles möglich.

Besonders beliebt ist die Rundwanderung um den Glattalpsee, die in gut zwei Stunden zu bewältigen und auch für Familien geeignet ist. Wer mehr Zeit mitbringt, kann in diverse Richtungen weiterwandern. Die Vielfalt der Routen macht die Glattalp zu einem Geheimtipp für alle, die abseits der bekannten Pfade unterwegs sein möchten.

Die Flora auf der Glattalp ist bemerkenswert. Trotz der harschen Winterbedingungen blühen im Sommer Alpenrosen, Enzian und zahlreiche andere alpine Pflanzen. Die Artenvielfalt ist auch ein Grund, warum Teile des Gebiets unter Naturschutz stehen.

Anreise: Mit dem öV in die Berge

Ein wichtiger Hinweis für alle Besucherinnen und Besucher: Die Glattalp ist am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Von Schwyz aus fährt das Postauto ins Muotathal und weiter bis zur Talstation der Bergbahn. Die Strasse ins Tal ist schmal und die Parkplätze sind begrenzt.

Die Anreise mit dem öV ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch entspannter: Man kann die Fahrt durch das malerische Muotathal geniessen, ohne sich um Parkplatzsuche oder Strassenverhältnisse kümmern zu müssen.

Ein Ort für alle Jahreszeiten

Die Glattalp ist ein Ort der Kontraste. Im Winter einer der kältesten Orte der Schweiz, im Sommer ein blühendes Wanderparadies. Ein Ort, an dem Technik und Natur, Energiegewinnung und Naturschutz zusammenfinden.

Wer die Glattalp besucht, sollte Zeit mitbringen, nicht nur für die Wanderungen, sondern auch für die Stille und die Weite dieses besonderen Ortes. Hier, wo im Winter die Kälte herrscht und im Sommer die Berge grüssen, spürt man, was den Kanton Schwyz im Innersten ausmacht: unberührte Natur, alpine Traditionen und die Fähigkeit, mit den Herausforderungen der Bergwelt zu leben.

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