Natur & Wandern

Der Wolf ist zurück

Der Wolf im Kanton Schwyz

Titelbild zum Beitrag «Der Wolf ist zurück»

Eine Kamerafalle am Waldrand, aufgestellt von der kantonalen Wildhut. Die Aufnahme zeigt ein Tier, das kurz innehält, den Kopf dreht und dann im Unterholz verschwindet. Gemeinde Vorderthal. Es ist eine von Hunderten solcher Dokumentationen der letzten Jahre, und sie alle erzählen dieselbe Geschichte: Der Wolf ist im Kanton Schwyz angekommen.

Für viele dürfte das überraschen. Der Wolf gilt als Tier der abgelegenen Alpentäler, nicht der March oder des Innerthals. Doch die Wolfshinweise häufen sich, die geografische Verteilung ist weitaus breiter als angenommen, und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr deutlich an.

Was ist der Wolf überhaupt?

Der Wolf (Canis lupus) ist das grösste wild lebende hundeartige Säugetier Europas. Ausgewachsene Tiere erreichen ein Gewicht von 30 bis 50 Kilogramm. Wölfe leben in Familienverbänden, sogenannten Rudeln, in der Regel zwischen fünf und zehn Tieren. Als Beutegreifer steht der Wolf an der Spitze der Nahrungskette und ernährt sich vorwiegend von Rehen, Gämsen und Wildschweinen.

Sein Streifgebiet kann mehrere hundert Quadratkilometer umfassen; Distanzen von 50 bis 70 Kilometern pro Nacht sind keine Ausnahme. Menschen meidet der Wolf in der Regel konsequent, direkte Begegnungen sind selten und gehen fast ausnahmslos ohne Zwischenfälle aus.

Von der Ausrottung zur Rückkehr

Der Wolf war in der Schweiz über ein Jahrhundert lang verschwunden. Im 19. Jahrhundert wurde er systematisch bejagt; das letzte nachgewiesene Exemplar wurde 1872 im Wallis erlegt. Die Rückkehr begann 1995, als in Graubünden erstmals wieder ein Wolf nachgewiesen wurde, zugewandert aus dem italienischen Apennin. Heute zählt die Schweiz rund 30 bestätigte Rudel.

Rechtlich ist der Wolf durch das Jagdgesetz sowie internationale Abkommen wie die Berner Konvention geschützt. Unter bestimmten Voraussetzungen können kantonale Behörden Abschussbewilligungen erteilen, etwa wenn ein Tier wiederholt Nutztiere reisst.

Der Wolf im Kanton Schwyz – die Zahlen

Zwischen Anfang 2023 und Februar 2026 wurden im Kanton Schwyz 248 Wolfsereignisse amtlich erfasst, 178 gelten als gesichert. Die Entwicklung ist auffällig: 2023 waren es 19 Ereignisse, 2024 deren 28, 2025 bereits 181, ein Anstieg, der sich mit der Etablierung mindestens eines Rudels erklären lässt.

Geografisch konzentrieren sich die Nachweise auf die March: Schübelbach verzeichnet mit 82 Einträgen die höchste Dichte, gefolgt von Vorderthal mit 70. Unter den Ereignissen befinden sich 18 Risse, davon sechs Nutztiere, in Gemeinden wie Innerthal, Einsiedeln, Feusisberg und Küssnacht.

Ein Tier, das die Gemüter bewegt

Der Wolf berührt ein breites Spektrum an Interessen, von der Landwirtschaft über den Naturschutz bis zur Jagd. Die Positionen verlaufen nicht entlang einfacher Trennlinien. Die Frage, wie viel Raum der Wolf in einer dicht besiedelten Landschaft einnehmen soll, wird die Kantone noch lange beschäftigen, im Kanton Schwyz, wo Alpwirtschaft und Freizeitnutzung dicht nebeneinanderliegen, besonders spürbar.

Herdenschutz: Was ist möglich?

Der Herdenschutz ist in Gebieten mit Wolfspräsenz heute eine praktische Notwendigkeit. Die wichtigsten Massnahmen sind wolfssichere Elektrozäune, das nächtliche Einpferchen von Herden sowie der Einsatz von Herdenschutzhunden. Für Wandernde gilt: Herdenschutzhunde sind Arbeitstiere, kein Streichelzoo. Wer auf einer Alp auf einen begegnet, sollte ruhig bleiben, keinen Blickkontakt suchen und die Herde weiträumig umgehen.

Was tun bei einer Wolfsbegegnung?

Direkte Begegnungen sind selten. Wer dennoch auf einen Wolf trifft, sollte ruhig bleiben, nicht weglaufen und sich langsam zurückziehen. Lautes Rufen oder das Schwingen von Armen kann helfen, das Tier zu verscheuchen. Wolfsnachweise können dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) sowie über die Meldeplattform des BAFU gemeldet werden.

Den Wolf erleben, ohne Pirsch

Wer den Wolf aus der Nähe beobachten möchte, findet ihn im Natur- und Tierpark Goldau am Fuss des Rossbergs. Dort leben Wölfe unter naturnahen Bedingungen auf einem weitläufigen Freigehege. Der Park zählt zu den ältesten Wildparks der Schweiz und macht das Tier erlebbar, seinen ruhigen Gang, sein Sozialverhalten, ganz ohne die märchenhafte Bedrohlichkeit, die ihm angedichtet wird.

248 dokumentierte Ereignisse in drei Jahren und eine Verbreitung weit über die Bergregionen hinaus: Die Wolfspräsenz im Kanton Schwyz ist keine vorübergehende Erscheinung. Wie Landwirtschaft, Naturschutz, Jagd und Freizeitnutzung künftig miteinander auskommen, wird sachkundige Entscheidungen auf verlässlicher Datenbasis verlangen.

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